6.Januar 1706. Boston- Hauptstadt der Kolonie Massachusetts. Benjamin Franklin erblickt als zehnter Sohn des Kerzenziehers Josiah Franklin das Licht der Welt. Seine Mutter, Abiah Franklin, ist die Tochter des berühmten Puritaners Peter Folger, einem der ersten Siedler in Neu-England.
Niemand kann ahnen, dass einer der Gründerväter der Vereinigten Staaten geboren wurde. Benjamin Franklin beginnt als einfacher Handwerker und erlernt den Beruf des Druckers. Seine Schulbildung ist bescheiden, und doch wird er dem Ruf eines außergewöhnlichen Erfinders, Schriftstellers, Diplomaten und Philosophen gerecht werden. Sein Ruf wird einmal weltweiter sein, als der eines Voltaire, Leibnitz, Newton oder Friedrich des Großen. Beweihräuchert von Goethe, in Dichtung und Wahrheit, Gast bei Königen, verehrt und anerkannt von den führenden Wissenschaftlern seiner Zeit und geliebt vom einfachen Volk. Benjamin Franklin, ein Mann der zeitlebens an seiner „Selbsterziehung“ und eigener Charakterbildung arbeiten und selbstlos all seine Ideen der Allgemeinheit zur Verfügung stellen wird.
Der Autor
Ernst-Christian Demisch wurde 1948 in Berlin geboren. Er studierte Geschichte, Geografie und Politik in Tübingen. Heute ist er als Dozent am Institut für Waldorfpädagogik in Witten-Annen tätig. Die 1. Auflage seiner Benjamin Franklin Biografie erschien bereits 1995 im Verlag Freies Geistesleben. Die vorliegende, erweiterte und überarbeitete 2. Auflage, wurde vom gleichen Verlag 2011 veröffentlicht. 181 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag. (ISBN 978-3-7725-1728-0) Das ansprechende Umschlagsfoto stammt übrigens von Arman Zhenikeyev.
Komprimierte amerikanische Geschichte
Auf knapp 170 Seiten geling es dem Autor auf beeindruckender Weise, komplexe Zusammenhänge überaus verständlich, unterhaltsam und streckenweise sogar fesselnd zu schildern. Es stellt sich natürlich zunächst die Frage, wie man einem Benjamin Franklin auf diesen wenigen Seiten überhaupt gerecht werden kann? Es gibt sicher eine Reihe von Autoren, denen dies im Ansatz gelungen ist. Ernst-Christian Demisch gelingt es jedoch, von der ersten Seite an mit einer wunderbaren Sprache zu brillieren. Der Leser verfällt sofort seinem literarischen Charme und „verliebt“ sich Seite um Seite immer mehr, in eine der wohl beeindruckendsten Persönlichkeiten der amerikanischen Geschichte. Ganz nebenbei gibt es sogar noch einen kleinen Exkurs in Sachen Verwaltungsstruktur der damaligen Kolonien in Nordamerika. Abgerundet wird das Ganze durch zahlreiche Illustrationen und einer übersichtlichen Zeittafel.
Als die Amerikaner noch Engländer waren
Es ist ungemein spannend zu erfahren, wie die ersten Siedler aus England nach Amerika kamen. 1620 kamen die ersten Puritaner mit der Mayflower aus England. Im eigenen Land verfolgt, gründen sie die ersten Kolonien auf dem amerikanischen Kontinent, um so der Verfolgung durch die Krone zu entgehen und dem Zerfall einer intoleranten Gesellschaft.
Immer wieder gewährt der Autor dem Leser Einblicke in die Geschichte der Kolonialisierung eines gewaltigen Kontinents ohne dabei die Geschichte bzw. den Werdegang Franklins zu vernachlässigen. Am Ende der Lektüre scheint einmal mehr eine Wissenslücke geschlossen und ein Anreiz gegeben, tiefer in die amerikanische Geschichte einzutauchen. Sie mag jung sein, die amerikanische Geschichte, aber sie ist ungemein spannend und interessant. Ist sie doch auch ein Bestandteil unserer, europäischen Geschichte.
Fazit:
Es ist eines dieser Bücher, welches man wehmütig nach den letzten Zeilen noch eine Weile in den Händen hält und dass gelesene Revue passieren lässt. Anschließend gesteht man dem Druckwerk einen Ehrenplatz im heimischen Bücheregal zu. Am Ende möchte man Franklin nacheifern, im Streben nach Wissen, Geduld und philanthropischer Reinheit.
Jeder, der sich auch nur im Ansatz für amerikanische Geschichte und darüber hinaus für Benjamin Franklin interessiert, kommt an diesem akkuraten, literarischen Kleinod nicht vorbei. Besonders junge Leser bekommen mit diesem Buch die Möglichkeit geboten, aufgeblähten, zeitraubenden Wälzern zu entgehen. Was nicht heißen soll, dass man nach der vorliegenden Lektüre nicht Lust auf mehr bekommt. Ich für meinen Teil werde von nun an noch tiefer Eintauchen in das Leben Benjamin Franklins.
Diesem Altmeister der Pädagogik, „Erzieher der Menschheit“ und Menschenfreund.
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